Archiv für Mai 2014

Redebeitrag 30.4.

„Herzlich Willkommen zur diesjährigen queerfeministischen Take Back the night- Demo!

Eigentlich sollte an dieser Stelle der Redebeitrag von uns, der Vorbereitungsgruppe der Demo, basierend auf dem Aufruf folgen. Aufgrund von Kritik, die uns erreicht hat, haben wir uns entschieden, diesen Beitrag ausfallen zu lassen. Stattdessen wollen wir uns an dieser Stelle kurz mit der Kritik auseinandersetzen.

Wir mussten feststellen: Rassismus als Machtstruktur hat auch unsere Orga strukturiert. In der Demovorbereitung und im Aufruf haben wir Rassismus reproduziert. Scheiße.
In den letzten zwei Tagen haben uns verschiedene Kritiken erreicht, die uns auf rassistische Reproduktionen im Aufruf hingewiesen haben – danke dafür. Diese steht jedoch nicht alleine, schon in der Vorbereitung hat sich gezeigt, dass rassistische Machtverhältnisse in unserer Zusammensetzung eine Rolle spielen. Obwohl wir uns seit diesem Vorfall versucht haben, mit Machtlinien innerhalb der Vorbereitungsgruppe auseinanderzusetzen, haben wir es offensichtlich nicht geschafft, diese Auseinandersetzung im Aufruf zu berücksichtigen.

Wir haben nicht-weiße Perspektiven ausgeblendet und waren ignorant gegenüber den Positionen von FLIT* of color und Schwarzen FLIT*. Weiße Positionen haben wir dadurch als Norm gesetzt und als selbstverständlich behandelt. Im Aufruf haben wir als mehrheitlich weiße Vorbereitungsgruppe ein „WIR“ konstruiert, welches viele Perspektiven und Erfahrungen ausklammert. Das wird uns jetzt erst bewusst. Das heißt, wir checken grad, dass wir uns in Vorbereitung und Aufruf an der Reproduktion von Rassismus beteiligt haben. Damit wollen wir uns weiter auseinandersetzen und aus der Schockstarre in die Reflexion gehen.

In diesen Prozess nehmen wir verschiedene Fragen mit.
Wie können wir einen Aufruf formulieren, in dem wir als FLIT* auftreten und trotzdem keine homogene Gruppe konstruieren? Wie können wir als mehrheitlich weiße Orga über Rassismuserfahrung sprechen, ohne in ein „über andere“-Sprechen zu verfallen? Wie können wir unsere Räume öffnen, vor allem für andere Perspektiven?

Wir finden es wichtig, heute trotz dieser Widersprüche auf die Straße zu gehen. Wir demonstrieren heute nicht nur gegen Sexismus, sondern auch gegen Rassismus, ein Machtverhältnis, welches auch diese Demo, unsere Orga, unsere Szene strukturiert. Wir haben es konkret in der Vorbereitung verkackt, beides zusammenzubringen. Aber wir haben die Vision, dass es möglich ist, diese Verhältnisse zu durchbrechen und anders miteinander umzugehen.

Wir lassen also den Widerspruch zu, in dem wir uns grad befinden und sind überzeugt, dass es trotzdem gut und wichtig ist, heute zu demonstrieren.
Wir wollen in Auseinandersetzung und in Bewegung zu bleiben und wünschen uns eine kraftvolle und laute Demo!
Lasst uns den sexistischen Normalzustand ins Wanken bringen und Rassismus bekämpfen! Lasst uns gemeinsam gegen homophobe, transphobe, nationalistische Kackscheiße auf die Straße gehen und uns den Raum nehmen, der uns immer noch viel zu oft verwehrt wird!

Toll, dass ihr da seid! “

Das war die Take Back The Night Demo 2014…

Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch de­mons­trier­ten in Bre­men etwa 350 Frau­en­Les­benIn­ter­Trans* gegen den se­xis­ti­schen Nor­mal­zu­stand. Die laut­star­ke und ent­schlos­se­ne Demo zog vom Vier­tel über den Rem­ber­ti­ring in Rich­tung In­nen­stadt. Am Wall ent­lang ging es dann bis zur Po­li­zei­sta­ti­on an der Doms­hei­de und von dort aus durchs Stein­tor-​Vier­tel, über die Siel­wall­kreu­zung bis zur St.Jür­gen-​Stra­ße und am Os­ter­deich ent­lang.
In meh­re­ren Re­de­bei­trä­gen wur­den un­ter­schied­li­che As­pek­te der herr­schen­den Ge­schlech­ter­ver­hält­nis­se the­ma­ti­siert und kri­ti­siert, eben­so wie die viel­fäl­ti­gen Ver­schrän­kun­gen mit wei­te­ren Un­ter­drü­ckungs­struk­tu­ren.
Es kam zu zahl­rei­chen meist ver­ba­len An­grif­fen auf die Demo, die je­doch ent­schlos­sen zu­rück­ge­wie­sen wur­den. Ge­ra­de die für eine Demo un­ge­wöhn­lich hohe An­zahl an be­lei­di­gen­den An­fein­dun­gen von Pas­sant*innen zeigt, dass es eben keine Selbst­ver­ständ­lich­keit ist, dass sich Frau­en­Les­benIn­ter­Trans* un­ge­stört im öf­fent­li­chen Raum be­we­gen kön­nen. Neben den teil­wei­se sehr ag­gres­si­ven Re­ak­tio­nen auf die Demo kam es aber auch zu zahl­rei­chen So­li­da­ri­sie­run­gen mit den Zie­len der Demo.

Mit queer­fe­mi­nis­ti­schen Grü­ßen aus Bre­men! Take Back The Night! Am 30.​04. und jede wei­te­re Nacht!